Drachentheater

Das Drachentheater ist ein junges, dynamisches und experimentierfreudiges Theatherprojekt aus Münster, welches ich bei der Bewerbung und Dokumentation der Stücke unterstütze. Gemeinsam mit dem leitendenden Theaterpädagogen Ari Nadkarni erarbeite ich hierzu Bilder, welche die vielschichtige Dynamik der Stücke auf den Punkt bringen.

Jedes Stück besteht aus einem Grundthema, kulturellen Zitaten und individuellen Geschichten. Hierzu recherchiert Ari zuerst einmal, wo das gewählte Thema in Kunst, Philosophie, Literatur und Pop-Kultur zutage tritt. Auf spielerische Weise vermittelt er diesen Themenkomplex den TeilnehmerInnen, erarbeitet gemeinsam mit ihnen Geschichten, die unmittelbar an die individuelle Lebenswelt anschließen und komponiert aus Thema, Zitaten und Geschichten spannungsreiche, mutige und erstaunlich ehrliche Geschichten.

Wenn ich mich mit Ari treffe, erläutert er mir in welchem Kontext das Thema steht, wie er dieses mit den Jugendlichen erarbeitet hat, was für Geschichten dabei herausgekommen sind und wie er diese zu einem Theaterstück zusammenfügen möchte. Es ist ein spannender Austausch. Da das Stück noch im Entstehen ist, muss Ari in unserem Gespräch das erste mal den Kern des Stücks auf den Punkt bringen. Hierzu gehen wir das Drehbuch durch, während er Textpassagen zitiert und Szenenabschnitte performt. Auf diese Weise versuche ich ein mehrschichtiges Gefühl für das Stück zu bekommen, welches ein Thema anhand von Geschichten und Bewegungen zu transportieren versucht. Im nächsten Schritt erarbeite ich gemeinsam mit Ari ein Bild, welches all diese Aspekte zusammenbringt.

MorgenMomente (2014)

In dem Stück Morgenmomente lautete das Grundthema Gefühle verstecken. Hierzu erarbeiteten die Jugendlichen Szenen und Geschichten, in denen es Ihnen gelang die „neutrale Maske“ abzusetzen und zu ihren Gefühlen zu stehen. In Ari Augen hatte dies viel mit Clownerie zutun. Ich lernte, dass ein Clown nur vordergründig eine bunt geschminkte „Maske“ trägt und sich im Grunde dadurch auszeichnet, dass er seine emotionale „Maske“  absetzt und seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Aus diesem fassten wir das Thema des Stücks eine weiße Maske, hinter der bunte Emotionen zum Vorschein treten.

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„Auf meinem Nachttisch liegt eine Maske. Sie ist perfekt passend und bis ins Detail ausgefeilt. An den meisten Tagen setze ich sie noch vor dem ersten Blick aus dem Fenster auf. Dieser kleine Moment zwischen Aufwachen und Maske Aufsetzen ist immer viel zu kurz und meist einer, den ich alleine erlebe. Ich nenne ihn meinen MorgenMoment.“


Hungrige Heilige (2015)

In diesem Stück war das Grundthema Verlangen & Mäßigung, laut Ari „zwei gegensätzliche, in Konflikt stehende Betrachtungsweisen“. Um diese Gegensätzlichkeit zu transportieren, hatten wir zeitweise überlegt einen Flyer aus Schokolade herzustellen, den man entweder aufbewahren oder essen kann. Da dies aufgrund des geringen Budgets leider nicht möglich war, entschieden wir uns für ein druckbares Motiv: ein gieriges Herz, welches zwischen Mäßigung (Sparen) und Verlangen (Sparschwein-plündern) zu zerreißen droht.

„In jedem von uns steckt ein heiliges Wesen und außerdem ein grosses, fettes, hungriges Schwein!“ Wonach es uns hungert, das kann vieles sein – Essen, Liebe, Sex, Macht, Sauberkeit und Geometrie?! Dieses Theaterstück erzählt kleine Episoden über das große Verlangen, über Wünsche und Träume und auch über inneren Frieden. Mit großem Körperspiel, viel Musik und ordentlich Sahne.


Panopticon – Being Outstanding in a Complex Society (2016)

Dieses Stück befasste sich mit Zwang sozialen Normen zu entsprechen und der gleichzeitigen Erwartung in einer individualistischen Gesellschaft „etwas“ darzustellen. Allen kann man es folglich nie recht machen, es sei denn man könnte sich wie bei einem „Klappbild“ nur aus den (vermeintlich) besten Aspekten zusammensetzen. Oder man entscheidet sich für den Gegenentwurf und verkörpert eine Person, die nicht dazugehört und stolz darauf ist. Solche eine liebenswert-skurrile Person nennt man im Theaterjargon „Buffo“ und kennt sie beispielsweise als Quasimodo aus dem Glöckner von Notre-Dame. Um diese beiden Aspekte zusammenzubringen gestalteten wir ein buffoneskes Klappbild.

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Wir werden als Äffchen geboren und wie Pudel dressiert. Die Blicke der anderen lauern uns auf, ihre Worte verurteilen uns und machen uns Angst. Hier im Panopticon (Zoo, Knast, Spielplatz und Erziehungsanstalt in einem) ist jeder OK. Vorausgesetzt, er ist Pudel genug. Aber reichen ein paar Schleifchen und die Kniggelektüre, um aus einem Urwaldkind einen Vorzeigekläffer zu machen?


Familie Glücklich (2017)

Wir tanzen, singen, feiern, flirten, suchen nach Prinzen und knutschen mit Fröschen (was für eine Zunge!) und plötzlich, in einem stillen Moment, macht es PLOPP! Und wir merken: wir haben Ken gesucht und Horst gefunden; wollten Barbie küssen, aber jetzt ist da diese Ute … Verliebt, verlobt, verheiratet und schnell heißt es: 1+1=5! Aber wer sind diese Zwergpiraten, die jetzt unsere Nerven, Zimmer und Herzen gekapert haben? Kain? Ödipus? Aschenputtel? – Und plötzlich sind sie groß und machen immer noch was sie wollen!!!


Beautifools’ Fairy Tale (2018)

Die ganze Welt ist ein Catwalk und wir sind alle Topmodels! Willkommen in Beautyfools’ Märchenland, wo alle Facelift-Träume wahr werden. Ob Du Shrek heißt oder Gollum, Frau Mahlzahn oder Aschenputtel, unsere Bühne macht Dich leicht zum Barbie Girl Deluxe! Haltung, Maske und Kostüm – fertig ist das Duckface-Pic. Click!

… Aber, wenn das Spiel vorbei ist?

Wer sagt denn, dass es vorbei gehen muss? Wenn einfach alle weiter spielen! Sei kein Frosch, hier bleibst Du Prinz! Dein Grün ist ganz schnell weggeschminkt.


Bagger die Waldfee (2019)

  • "Bagger die Waldfee" Flyergestaltung – ein Projekt von Simon Sleegers
  • "Bagger die Waldfee" Flyergestaltung – ein Projekt von Simon Sleegers
  • "Bagger die Waldfee" Flyergestaltung – ein Projekt von Simon Sleegers

Titania und Oberon sind lange schon im Clinch. Zwischen uralten Eichen und Bergen von Müll überschatten Eifersucht und Betrügerei die dekadenten Saufgelage des König*innenpaars und die ganze Elfensippe wird in den Beef mit reingezogen. Und was verpassen sie dabei? Der Sommernachtswald soll weggebaggert werden! Das fordert ein Energiekonzern, denn unter dem Wald liegt Kohle und Kohle bringt Kohle bringt Qualm bringt Smog bringt Treibhauseffekt… Moment, warum wollen die das noch mal?

Besinnen sich die Elfen noch und retten ihren Wald? Oder wird ihr Lebensraum zerstört?

Bagger die Waldfee: ein Drachentheaterstück über Umweltzerstörung auf Grundlage von Shakespeares Ein Sommernachtstraum.


Das Tribunal der Kinder (2020)

  • Drachentheater Flyer – ein Projekt von Simon Sleegers
  • Drachentheater Flyer – ein Projekt von Simon Sleegers

Ihr zerstört Menschenleben!
Ihr vernichtet die Natur!
Ihr zerschmettert die Träume von Millionen von Kindern!
Und Ihr glaubt wirklich, dass wir Euch das durchgehen lassen?!
Vollidioten!

Wir sind gekommen, um Euch zu holen. Bewaffnet mit Donnerschock und Richterhammer!
Mit Wissenschaft und Fletsche!
Erwartet unser Urteil.

gez. Das Tribunal der Kinder


Im Tintenmoor läuten Gespinster (2020)

  • Drachentheater Flyer – ein Projekt von Simon Sleegers
  • Drachentheater Flyer – ein Projekt von Simon Sleegers

Quietschende Tafel und beißendes Gelächtar, zu diser Musik tanz’ im Klassenzimer!

Du bist die neue Schülarin? Kenn Deinen Platz! … Sei dankbar, wänn Du überhaput einen krigst.

Lauern die grösten Ungeheuer in der lezten Reihe oder sitzt Dein warher Feind am Pult? Hörst Du die Stimmen Deiner Eltan, wenn Du verzewifelt einen Test schreibst? Deine Rechtschreibung wahr schon immer beschissen. Wer stütst Dich? Wer hilft Dir? Fühlst Du Dich alein? Ach, köntnest Du Dich doch nur im Tintenmohr auflöhsen! Könntest Du nur ein Tintenfisch sein!


Momo bei Kafka (2021)

  • Drachentheater Flyer – ein Projekt von Simon Sleegers

„Jemand musste Beppo Straßenkehrer verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Tages verhaftet.“

Die hungrige Zeitsparmaschinerie greift um die ganze Welt. Gigi Fremdenführer, einst Held des Widerstandes, ist zum obersten Offizier im Gefängnis der Zeit aufgestiegen. Dessen Torhüter zeigen ihre Zähne nicht. Sie fesseln Dich mit süßen Zungen. In ihrem Glanz droht selbst Kassiopeia das Schicksal Gregor Samsas. Wer entkommen will, muss innehalten. Doch diesen Schutzschild haben die Grauen Herren schon lange durchschaut.

Ein Kommentar

  • Simon Sleegers hat bereits zum vierten Mal für meine Inszenierungen Plakate und/oder Flyer graphisch gestaltet. Ich wende mich jedes Mal erneut an ihn, weil es ihm gelingt, die Stimmung des Theaterstücks mit seinen Designs präzise und phantasievoll darzustellen, obwohl er die Inszenierungen zum Zeitpunkt der Plakatentwicklung nur aus meinen Beschreibungen kennt – wie Dürer mit seinem Nashorn!  Er geht dabei sehr empfindsam auf meine Vorstellungen ein, nimmt sich gleichzeitig die künstlerische Freiheit für eigene Ideen und bleibt stets offen für Veränderungswünsche. Dank seiner kommunikativen Klarheit und seinem deutlichen Interesse an den Theaterstücken schaffen wir es immer zügig, ein gemeinsames Verständnis von der Kernidee dessen, was das Plakat vermitteln soll, zu entwickeln. Ich freue mich jedes Mal mit ihm zusammen zu arbeiten, weil er neben seiner souveränen Fachkompetenz ein sehr kluger, unterhaltsamer Gesprächspartner ist. Ich freue mich auf viele weitere gemeinsame Projekte!

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