Abenteuertraining

Das Abenteuertraining ist ein erlebnispädagogisches Konzept, welches ich in Kooperation mit dem Bürgerhaus Obervieland e.V. in Bremen entwickelt, und im Verlauf von zwei Jahren erprobt habe.

Anforderungen

Für 10–12 jährige Jungen sollte ein Angebot entstehen, welches ihnen die Möglichkeit gibt ihre eigenen Möglichkeiten, Qualitäten und Grenzen zu erfahren und auch Dinge auszuprobieren, die man als „Junge“ eigentlich nicht macht. Hierzu sollte ein Raum ohne Mädchen geschaffen werden, der die Identifikation durch Abgrenzung („Ich bin Junge, weil ich kein Mädchen bin.“) in Frage stellt und Jungen die Möglichkeit gibt auch als weiblich wahrgenommene Positionen zu beziehen. Darüber hinaus sollte ein eigenständiges thematisches Profil entstehen, dass zwischen den vielseitigen Angeboten des Bürgerhauses nicht untergeht.

Konzept: Abenteuer erleben

Für den bekannten Abenteurer Rüdiger Nehberg ist alles Abenteuer, „wo man sich in besonderer Weise herausgefordert fühlt, wo man seine Grenzen verlagert und neue Welten erschließt.“ Für ihn ist es „nicht wichtig, Abenteuer zu definieren oder zu bewerten“, da es es sehr unterschiedlich ist, „was für den einzelnen das Abenteuer ausmacht.“ Ihm zufolge kann also alles ein Abenteuer sein, wenn man es nur richtig angeht. Aus diesem Grunde wählte ich das Abenteuer-Motto als Metapher für einen Raum, in dem alles ein bisschen anders gemacht wird und indem man Altbekanntes neu entdecken kann. Ich rief das Abenteuertraining ins Leben, bei dem man alles lernen sollte, was man als Abenteurer braucht und das die Teilnehmer innerhalb von vier Monaten auf eine Radtour mit Übernachtung im Zelt vorbereiten sollte.

Ich entwickelte ein Konzept mit aufeinander aufbauenden Übungen, kleinen Prüfungen und Aktivitäten, in denen die gelernten Fähigkeiten zum Ausdruck kommen. Gebündelt wurde all dies in einem kleinen Heft, dem Handbuch zum Abenteuertraining. Neben diesen konkreten Aufgaben sollte es eine Menge erlebnispädagische Aktivitäten geben, welche das Gruppengefühl stärken und den Teilnehmern helfen ihre Umgebung anders wahrzunehmen.

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Probleme

Ich machte Werbung in Schulen und traf mich von nun an zwei mal die Woche für jeweils drei Stunden mit meinen Teilnehmern im Bürgerhaus. Es dauerte nicht lange, bis ich mir eingestehen musste, dass mein Konzept viel zu statisch war. Die Kinder, die den ganzen Tag schon in der Schule gelernt und stillgesessen hatten, wollten sich nicht konzentrieren und planen, sondern etwas erleben. Darüber hinaus waren die aufeinander aufbauenden Aktivitäten ungeeignet, da die Teilnehmer unregelmäßig erschienen und somit immer jemand etwas verpassen würde.
Mir wurde klar, dass ich offener für Impulse sein müsste um aus der Situation heraus Aktionen zu gestalten, die in der Lebensrealität der Kinder anknüpfen und die innerhalb eines Treffens abgeschlossen werden können.

Neues Konzept: kleine Abenteuer erleben

Ich erinnerte mich daran, dass alles abenteuerlich sein könnte und ließ von nun an den Kindern den Vortritt. Sie sollten gemeinsam entscheiden, was wir „abenteuerliches“ machen würden, während ich meinen Fokus auf die Gruppendynamik legte. Wir erkundeten den Stadtteil, streiften durch Hecken, bauten einen Unterschlupf, kletterten auf Bäume, sammelten Feuerholz, grillten die verschiedensten Dinge über den Flammen und haben in der Küche des Bürgerhauses viel gekocht und gebacken. Solange das Miteinander stimmte war es eigentlich egal was wir machten und so konnte auch Pommes essen zu einem Abenteuer werden (wenn man beispielsweise die Kartoffeln über dem Feuer gart oder den Ketchup selbst herstellt).
Am Ende des viermonatigen Abenteuertrainings stand eine Radtour mit Übernachtung im Zelt an. Da wir diese Aufgrund einer Unwetterwarnung leider nicht Durchführen konnten bauten wir unsere Zelte kurzerhand im Disko-Raum des Bürgerhauses auf und schliefen unter dem Sternenhimmel der Diskokugel. So wurde auch hier aus einem „großen“ Abenteuer wieder einmal ein „kleines“, authentisches – aber anders hätte es ja auch nicht ins Konzept gepasst.

Ein Kommentar

  • Simon leitet in unserem Jugendbereich  zweimal wöchentlich den „Jungs Club“, ein Angebot für Jungen zwischen 10 und 12 Jahren dessen Inhalte und Strukturen wir gemeinschaftlich erarbeitet haben. Simon ist vielseitig interessiert und kann er auf ein breites Spektrum an Programmangeboten zurückgreifen, welche aus erlebnispädagogischen Elementen und einer kreativen Herangehensweise resultieren. Darüber hinaus weist er gegenüber den Teilnehmern seiner Gruppe eine überdurchschnittliche Empathiefähigkeit auf, welche es ihm ermöglicht auf die individuellen Ideen und Wünsche der Jungen einzugehen und diese in maßgeschneiderten Angeboten umzusetzen.

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